Doctoral Thesis

Çaman, Efe M.: Turkish Foreign Policy after the End of the Cold War.

Continuity and New Orientations between the EU-Integration and

the Regional Policy, Diss. University of Augsburg / Germany,

Augsburg (434 p.)

 

Supervisor (Doktorvater) of the thesis:     Prof. Dr. Theo STAMMEN

2. Supervision of the thesis:                        Prof. Dr. Hans-Otto MUHLEISEN

Grades:                                                           summa cum laude "distinguished"

                                                                         (highest doctoral degree)

Published by:                                                1- University of Augsburg, OPUS,

                                                                         Library of the University of Augsburg,

                                                                         2005 (for more information:)

http://www.opus-bayern.de/uni-augsburg/volltexte/2005/123/

                                                                          2- Wissenschaftlicher Verlag Berlin (wvb), 2005

                                                                          ISBN 3-86573-104-X (for more information:)

www.wvberlin.de/data/inhalt/caman.htm

 

Short introduction in German

Kurze Einführung

Die Türkei als ein Staat zwischen drei geopolitisch relevanten Regi-onen, nämlich zwischen Europa, dem Nahen Osten und dem Kaukasus - sowie ferner Zentralasien - oder wie die türkischen Führungseliten die geographische Lage des Landes wahrnehmen, als eine Brücke zwischen Europa und Asien sowie zwischen den abendländischen und muslimisch geprägten Kulturen, war und ist stets eines der Zentren des welt-politischen Interesses und Geschehens. Seit tausend Jahren waren ver-schiedene unabhängige türkische Staaten relevante Akteure dieser Regionen. Von dem Großen Seldschukenreich der Türken bis zum Reich der Anatolischen (Rum-) Seldschuken, von der Epoche der türkischen Fürstentümer auf der anatolischen Halbinsel bis zur Weltmacht des Osmanischen Imperiums auf drei Kontinenten und von der Gründung des türkischen Nationalstaates durch die Proklamation der Republik Türkei bis zum heutigen Tage, in dem die Türkei versucht, eine Integration in die Europäische Union und ihren Beitrag zum Projekt Europa zu leisten, war und ist die türkische Staatlichkeit kontinuierlich ein teils dominierender, teils mitbeeinflussender Akteur der oben erwähnten Regionen. Politische, außenpolitische, wirtschaftliche und kulturelle Einflüsse der Türken in diesen Regionen, ganz besonders aber die imperiale und expansi-onistische osmanische Vergangenheit, trugen zu den heute beobachteten politischen Formationen und Konstellationen und vor allem zu den subjektiven politischen Perzeptionen der Eliten und Entscheidungsträger in der Türkei, im nahen Europa - vor allem auf der Balkanhalbinsel - sowie in der nordöstlichen Mittelmeer- und Schwarzmeerregion und in den postsowjetischen Regionen wie Kaukasus und Zentralasien bei.
In der Zeitperiode seit dem Ende des Ost-West-Konfliktes fanden fundamentale Änderungen in den oben genannten Weltregionen statt. Während die ehemalig sozialistischen Staaten Ost- und Südosteuropas in diesem Zeitraum ihre Integration in die Europäischen Union versucht haben und sich entsprechend den politischen und wirtschaftlichen Erwartungen des westlichen Teils von Europa transformierten, gibt es nun seit der Auflösung der Sowjetunion im postsowjetischen Norden und Osten neue unabhängige, ehemals sowjetische Staaten, die ihre Eigenstaatlichkeit und somit ihre eigenen außenpolitischen Wege behaupten. Es sind wiederum in den südöstlichen und südlichen Nachbarregionen der Türkei Staaten, die zum Teil unter religiösem Fundamentalismus, zum Teil unter einem militaristisch-autoritären undemokratischen Regime oder unter Besatzung ausländischer Mächte regiert werden. Die Türkei befindet sich aufgrund ihrer peripheren geographischen Lage zwischen diesen Regionen und zugleich als ein Teil Europas wie zu Beginn des Kalten Krieges im Zentrum dieses Transformationsprozesses. Abgesehen von ihren europäischen Nachbarn Griechenland, Zypern (sowohl Nord- als auch Südzypern) und Bulgarien ist die Türkei eine Ausnahme im Hinblick auf ihre sicherheitspolitische und militärische Symbiose mit dem Westen und auf ihre eindeutige Integrationspolitik in Europa, aber auch im Hinblick auf ihr Niveau einer funktionierenden und evolutionsfähigen demokratischen Ordnung. Sie wird aufgrund ihrer geographischen Nähe und Zugehörigkeit zu Europa sowie infolge der politischen Selbstperzeption von der europäischen Integration am intensivsten beeinflusst.
Die Türkei kann nicht isoliert von diesen Veränderungen in ihrer Umwelt betrachtet werden, vor allem nicht nach dem Ende des Ost-West-Konflikts. Denn diese Veränderungen riefen und rufen außenpolitische (Neu-)Orientierungen, Reaktionen und Reflexe hervor und übten somit Einfluss auf die Außen- und Sicherheitspolitik, auf die ökonomische Entwicklung des Landes sowie auf die politischen und außenpoliti-schen Perzeption und Selbstwahrnehmung seiner Eliten und Entschei-dungsträger, aber auch der türkischen Staatsbürger. Sie beeinflussen freilich auch die türkische Innenpolitik, und es wird auch am Beispiel der Türkei beobachtet, wie eng Innen- und Außenpolitik eines Landes zusammenhängen. Es ist ein politisches Faktum, dass die Konstanten bzw. Bestimmungsfaktoren der türkischen Außenpolitik, die seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges bis zum Paradigmenwechsel in der internationalen Politik bestanden haben, ihre Gültigkeit überwiegend verloren haben, und die Beziehungen der Türkei zu den oben erwähnten Weltregio-nen und zu ihren einzelnen Staaten - ganz besonders die zur Europäi-schen Union - seit dem Ende des Ost-West-Konfliktes neu geordnet werden.

 

 

 

 

 


 

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